Weite der Definition des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln

Definition der Rechtsprechung und die Konsequenzen daraus

Die Rechtsprechung definiert das unerlaubte Handeltreiben mit Betäubungsmitteln als jede auf den Absatz von Betäubungsmitteln gerichtete Handlung.Damit sind nicht nur reine Verkaufsgeschäfte mit BtM (ohne Erlaubnis) als unerlaubtes Handeltreiben strafbar.

Vielmehr beginnt das Handeltreiben schon viel früher im eigentlichen Geschehen.

Die Vollendung des Tatbestandes des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln wird durch die o. g. Definition zeitlich sehr früh angesetzt.

So stellt z. B. der Ankauf von Betäubungsmitteln zum Zwecke des späteren Wiederverkaufes bereits ein vollendetes Handeltreiben dar.

Die sehr weite Definition des Handeltreibens führt auch dazu, dass viele Handlungen, die eigentlich Beihilfehandlungen im Sinne des § 27 Abs. 1 StGB darstellen, zu einem Handeltreiben als Täter erhoben werden.

Auch das das strafbare Versuchsstadium wird durch die Definition der Rechtsprechung zeitlich sehr weit nach vorne verlagert.


Korrektur über die Strafzumessung
Der weite Begriff des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln wird im Betäubungsmittelstrafrecht über die Strafzumessung und die Möglichkeit der Annahme eines minderschweren Falles korrigiert.

Beim minderschweren Fall hat der Gesetzgeber bereits einen niedrigeren Strafrahmen für den Fall festgeschrieben, dass die Schuld des Täters den Durchschnittsfall deutlich unterschreitet.


Zusammenfassung
Die Definition der Rechtsprechung ist in Fachzeitschriften pp. immer wieder u.a. mit dem Argument kritisiert worden, dass die gesetzlich angeordnete Unterscheidung zwischen einem Täter und einem Helfer eingeebnet wird (sog. "Einheitstäterbegriff").

Wird aber die Strafzumessung mit Augenmaß betrieben, so sind die Ergebnisse brauchbar.

Hier ist es Aufgabe des Verteidigers, rechtzeitig die Umstände zu betonen, die - je nach Lage des Falles - zeigen, dass der Tatbeitrag des Mandanten nicht so groß war.